ProMotion #44: Warum ich ein ForschungsBlog schreibe!

Veröffentlicht von Rosi Würtz am

In diesem Beitrag erkläre ich, warum es für mich von Relevanz ist, dieses Weblog über meinen Forschungsprozess zu schreiben. Es gibt viele Gründe, schreibend mit der Welt da draußen in Kontakt zu treten und nur einen, es nicht zu tun. Selbstverständlich kostet es Zeit, diese Website zu unterhalten und aktuell zu halten. Aber das ist auch schon der einzige Grund, der dagegen spricht.

Hinweis: Dieser Blogbeitrag wurde ursprünglich am 27. August 2020 auf healthyhospital.de veröffentlicht und ist aus praktischen Gründen hierhin „umgezogen“.

Was erforschst du da eigentlich?

Diese Frage habe ich schon öfter gestellt bekommen und wie es sich für eine waschechte Soziologin gehört, wäre die Antwort ein Abend füllendes Bühnenprogramm wert. Doch ich möchte, dass ich mit meinem Forschungsthema in den Köpfen meiner Gesprächspartner*innen hängen bleibe. Und um den soziologischen Redeschwall zumindest etwas zu kanalisieren, eben dieses Weblog hier zum kurz und knackigen Nachlesen, Vorlesen oder einfach nur Lesen!

Wiederholungstäterin

Auch für meine Magisterarbeit über „Bollywood zwischen Erlebniswelt und interkultureller Imagination“ habe ich eine eigene Website als Begleitmedium meiner Forschung betrieben. Mit Erfolg, wie die abschließende Bewertung durch meine Prüfer zeigte. Das Blogschreiben gibt mir durch die schriftliche Ordnung meiner Gedanken kreative Schübe und schubst neue Ideen an. Kurz gesagt: Es macht mir Spaß, anderen Menschen von meiner Forschung zu berichten!

Wissenschaftskommunikation

Neben der Freude, die ich beim Erstellen von Blogbeiträgen innerlich empfinde, hat diese Tätigkeit auch sehr öffentliche Beweggründe. Seit der Coronapandemie ist Wissenschaft „in aller Munde“ und Forschungsergebnisse werden nicht nur von Wissenschaftler:innen mit Spannung erwartet. Die Kommunikation über Wissenschaft und die Übersetzung von Science-Slang in einfach verständliche Sprache ist mir sehr wichtig. Um es platt auszudrücken: Was nützen Forschungsergebnisse, die nur die Scientific Community, also Wissenschaftler:innen meines Fachbereichs, verstehen. Spannend wird es doch tatsächlich erst, wenn Forschung von diversen Menschen diskutiert wird.

Vertrauensaufbau

Ich freue mich sehr, dass ich anderen über das Internet von meiner Forschung erzählen kann. Gerne möchte ich verdeutlichen, dass ich es ernst meine mit dem, was ich da tue. Soziologie ist für mich nicht nur einfach ein Fach, dass ich mal für einen Uniabschluss absolviert habe, sondern es ist eine Denk- und Lebensweise.

Ebenso wichtig ist mir der vertrauliche Umgang mit den Forschungsdaten und die Weise, wie ich forsche. Auch deswegen berichte ich von meinem Forschungsprozess und davon, wie ich Entscheidungen treffe. Letztendlich hoffe ich, mit meinem ehrlichen und hoffentlich auch spannenden Bericht andere Menschen für die Wissenschaft zu begeistern. Oder wie sagt Dirk Steffens, seines Zeichens Journalist, immer am Ende seine Terra-X-Sendungen: „Bleiben Sie fasziniert!“ In diesem Sinn mein Appell an meine Blogleser:innen: „Bleiben Sie neugierig!“

Social Media für meine Forschung

Social Media gehören für mich zu meinem Alltag und das nicht nur aus wissenschaftlichem Interesse. Eine Beschreibung, wie ich persönlich soziale Digitalmedien definiere, erspare ich mir und euch + Ihnen an dieser Stelle. In den letzten zwei Jahren ist das Thema Social Media in der Wissenschaft auch aufgrund der Coronapandemie stärker aufgekocht.

Wie ich Social Media für meine Forschung nutze!

Meine Promotionszeit an der Universität Bonn geht ins dritte Jahr. Ich finde, dass es Zeit ist, darüber zu berichten, wie ich Soziale Medien in den beiden vergangenen Jahren für meine Forschungsarbeit verwendet habe. Zum einen ist die Datenbasis meiner Doktorarbeit durchtränkt mit Daten aus Social-Media-Kanälen. Hierüber möchte ich an dieser Stelle jedoch nicht schreiben. Vielmehr geht es mir um einen Erfahrungsbericht, wie ich den Einsatz von Social Media für die Wissenschaft in letzter Zeit erlebt habe.

Ich möchte, dass Menschen verstehen, warum ich so sehr für den Einsatz Sozialer Medien für die Wissenschaft bin. Und dass es tatsächlich Spaß macht, diese für Wissenschaftskommunikation einzusetzen. Wie sagte mein Fitnesstrainer doch immer wieder: „Denn sie wissen, was sie tun!“ Ja, das sollte zumindest auch für die wissenschaftlichen Tätigkeiten @ Social Media gelten. Zumindest mit einer hohen Wahrscheinlichkeit, denn ein Restrisiko und blinde Flecken sind immer vorhanden.

Widerspenstige digitale Gefolgschaft!

Der Einsatz von Social Media in und für die Wissenschaft wirft berechtigterweise Fragen auf. Mir stößt die Macht einiger weniger Mega-Unternehmen auch unangenehm auf. Dennoch sehe ich in der Anwendung eines bunten Social-Media-Straußes, der offen für nachhaltige Entwicklungen der globalen und lokal handelnden Gemeinschaften ist, ein enormes Potenzial, mit den sich Wissenschaftler:innen aller Disziplinen auseinandersetzen sollten.

Hier ein Beispiel vom Forum Wissenschaftskommunikation 2021, das unter dem Hashtag #fwk21 auf Twitter häppchenweise nachgelesen werden kann.

Meine Frage an das Podium während einer Session „Welche Rolle spielen Social Media für die Medizinkommunikation und den gesellschaftlichen Zusammenhalt?“ könnte ich zeitgleich auf Twitter posten und so den Interaktionskreis zu diesem spezifischen Thema erweitern. Sicherlich bieten sich manche Themen besser an, sie auf Social Media zur Diskussion zu stellen. Doch wer immer wieder auf Plattformen seiner Wahl unterwegs ist, der lernt die geeigneten Interaktionsgruppen auch kennen.

Manchmal tun sich auf diese Weise neue Interaktionspartner*innen auf: Stichwort: Medizinisches Personal als Influencer*innen in den sozialen Digitalmedien. Manche Personen lassen sich nun mal leichter kontaktieren, wenn ich bereits meine Themen auf den jeweiligen Social Media Kanälen platziert habe und dadurch zumindest etwas sichtbarer bin. Hier ein spannendes Interview mit Dr. Kefa Hamidi mit dem Titel „Nicht reine Informationsvermittlung, sondern Kommunikation, Dialog und Austausch“.

In diesem Sinn geht „Probieren immer noch über Studieren“, ohne dabei eine kritische Reflexionsfähigkeit vor lauter Likes und Herzchen zu verlieren. Denn wir wissen, was wir tröten, twittern und posten!

Kategorien: Wissenschaft

Rosi Würtz

Soziologin mit den Schwerpunkten Digitalisierung und Gesundheit, derzeit Promotion (Uni Bonn) über betriebliche Gesundheitskommunikation von Krankenhäusern in sozialen Medien, staatlich anerkannte Physiotherapeutin mit einem Faible für Paläontologie und Raumfahrt

1 Kommentar

ProMotion #039: Forschungsblog für Doktorarbeit - Kathrin Rosi Würtz, M.A. · Mai 4, 2023 um 12:34 pm

[…] Warum ich ein Forschungsblog schreibe! […]

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