ProMotion #20: In Corona-Quarantäne!

Veröffentlicht von Rosi Würtz am

Ich befinde mich derzeit aufgrund von Corona in einer selbstgewählten Quarantäne. Von meinen Erlebnissen in dieser Zeit schreibe ich hier, um später (nach der Coronakrise) eventuell die Ereignisse besser reflektieren zu können.

Dienstag, 31. März 2020

Das Dezernat für Hochschulkommunikation der Universität Bonn hat letzte Woche eine Aktion ins Leben gerufen: „Lebenszeichen – Wir bleiben im Gespräch!“ ruft Angehörige der Bonner Uni auf, von ihrer derzeitigen Situation in Zeiten von Corona zu berichten. Aus meiner Sicht ist dies eine hervorragende Gelegenheit, unterschiedliche Perspektiven zu bündeln und anderen Lesern zur Verfügung zu stellen. Der Schmierzettel ist bereits mit ersten Ideen und Notizen bestückt.

Seit ein paar Wochen gehören die Pressekonferenztermine des RKI zum festen Bestandteil meines Zeitplans. Oh, ich schreibe hier tatsächlich von einem Zeitplan und ihn als solchen zu bezeichnen, ist schon etwas vermessen. Zumindest versuche ich mir eine zeitliche Tagesstruktur selbst aufzuerlegen, um mich nicht vollends in Banalitäten zu verzetten. Punkt, Aus! Lange Satzkonstrukte sind auch eine Folge von permanenter Schreibtischarbeit.

Zurück zu meinem TV-Konsum von Pressekonferenzen: Neben der heutigen RKI-PK schaue ich mir auch die PK aus dem Kreis Heinsberg an. Das Team rund um Professor Hendrik Streeck (Virologe, Universitätsklinikum Bonn) startet heute eine repräsentative Studie zum Coronavirus und Covid-19. Die Statistikerin in mir freut sich, dass nun auch wissenschaftliche Studiendesigns öffentlich präsentiert werden. Ein Grundverständnis für statistische Zusammenhänge, die zu alltagstauglichen Handlungsempfehlungen führen können, ist meiner Meinung nach wichtig für jeden Mitbürger.

Mit bei der Pressekonferenz ist auch Dr. Dr. Ricarda Schmithausen, mit der ich mich Anfang März während eines Workshops an der Uni Bonn über den Einsatz von Social Media in der Wissenschaftskommunikation unterhalten habe. Jetzt ist der Unibetrieb weitestgehend eingestellt, aber die multimediale Kommunikation via Twitter, Facebook und Co. noch präsenter als vor Corona. Jetzt zeigt sich auch, wie wichtig krisenerprobtes Medientraining für Wissenschaftler ist.

Mittwoch, 1. April 2020, 2.30 Uhr

Ich sitze völlig übermüdet am PC und nehme an dem NViVo-Webinar „COVID-19 and doing Virtual Fieldwork“ teil. Zum Glück habe ich meinen Wecker gehört, denn das Webinar ist wirklich klasse und gibt mir jede Menge nützliche Informationen für meine Forschungsarbeit. Später am Tag: Zwischen Schnittmustern und Schreibtisch versuche ich das erste Mal in meinem Leben, die Kunst des Nähens zu lernen und bringe mir ein paar Handgriffe mit Hilfe von Youtube-Videos selbst bei. Zum Glück hat mein erster Nähversuch auch den Waschmaschinen- und Trocknertest überstanden. Bei 90 Grad Kochwäsche sollte Corona hoffentlich schon längst die Biege gemacht haben.

Donnerstag, 2. April 2020

Mein Drang nach draußen ist so groß. Liegestütze und Kniebeugen in den eigenen vier Wänden helfen nicht mehr: Ich muss hier raus! Also, rauf auf’s Fahrrad und ein paar Runden um den Block gemacht. Was ein schönes Gefühl, leere Straßen und frische Luft! Aber gleichzeitig auch das mulmige Gefühl, dass es vielen Menschen in der Corona-Quarantäne momentan nicht so gut geht.

Samstag, 11. April 2020

Die Frühlingssonne scheint und ich sitze in meinem Büroraum am Laptop und schaue mir ein Webinar-Recording über die Möglichkeiten der Qualitativen Sozialforschung online an. Derzeit einen kühlen Kopf zu behalten, ist eine Herausforderung und ohne meinen Pen-and-Paper-Kalender wäre ich derzeit ziemlich aufgeschmissen. Neues mischt sich mit der Anwendung alter Werkzeuge.

Dienstag, 21. April 2020

Heute geht auch unser Doktorandenkolloquium online. Mal sehen, wie wir unser Digitalsemester gestalten werden, zumal bisher noch kein Ende der Kontaktbeschränkungen in Aussicht ist. Ich organisiere mir mittlerweile Fortbildungsmaßnahmen, die ich online besuchen kann. Heute neu hinzugekommen ist der Kurs „Orthopädie – Hinter den Kulissen“ von der OPEN vhb. Auf die Inhalte freue ich mich schon sehr, um mein physiotherapeutisches Orthopädie-Wissen mit ein paar neuen Facetten aufzufrischen.

Letzten Sommer habe ich wieder mit einem sehr guten Englisch-Kurs an der VHS Bonn begonnen. Der Folgekurs ist leider Corona zum Opfer gefallen. Zum Glück gibt es aber die wunderbaren Angebote von BBC Learning English. In der heutigen Folge wurde ich sogar ganz kurz gegrüßt, sooooo cooool!!!!!!!!! Thanks Chatherine!!!!!!!!

Nach dem Doktorandenkolloquium ist vor dem nächsten, aber heute ist erst einmal meine Webcam standesgemäß abgesoffen. Zum Glück existiert die Chat-Funktion und so höre und sehe ich die anderen Doktoranden zwar, kann selbst aber nur schriftlich teilnehmen. Auch gut, das Wesentliche kam zur Sprache!

Mittwoch, 22. April 2020

Heute Nacht sollten zwar Sternschnuppen um die Lyra fliegen, ich habe jedoch leider keine gesehen. Der Himmel war zwar klar und dunkel, aber leider ist mir kein Licht aufgegangen. Vielleicht klappt es aber heute früh: Um 6.30 Uhr ziehe ich mir die Mittagsvorlesung des Berliner Methodentreffens 2017 rein. Mal sehen, was ich hier Neues lerne. Morgenstunde hat…. „imagined community“ der qualitativ Forschenden und „social justice research“ sind zwei der Stichwörter, die mir heute morgen begegnen.

„Wir hören nicht nur zu, sondern lassen uns auch etwas sagen.“

Hella von Unger, Quelle: http://www.berliner-methodentreffen.de/archiv/video/mittagsvorlesung_2017/index.html [gesichtet am 22.04.2020]
Kategorien: Wissenschaft

Rosi Würtz

Soziologin mit den Schwerpunkten Digitalisierung und Gesundheit, derzeit Promotion (Uni Bonn) über betriebliche Gesundheitskommunikation von Krankenhäusern in sozialen Medien, staatlich anerkannte Physiotherapeutin mit einem Faible für Paläontologie und Raumfahrt

1 Kommentar

ForschungsTagebuch - Healthy Hospital · Juni 9, 2022 um 1:57 pm

[…] #20 In Corona-Quarantäne […]

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